
Gemeinsam erinnern – Verantwortung für die Zukunft tragen
Am Dienstag, dem 1. September 2026, fand am temporären Gedenkort für Polen 1939–1945 in Berlin die zentrale Gedenkveranstaltung zum 87. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen statt. Mit dem Angriff des nationalsozialistischen Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg – und für die Menschen in Polen eine Zeit von Krieg, deutscher Besatzung, Terror und millionenfachem Leid.
Am Gedenkort für Polen 1939–1945 kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Diplomatie und Zivilgesellschaft zusammen, um gemeinsam der Opfer zu gedenken.
Unter den Teilnehmenden waren Jan Tombiński, Geschäftsträger a. i. der Republik Polen in der Bundesrepublik Deutschland, der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, sowie Knut Abraham, Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-polnische zwischengesellschaftliche und grenznahe Zusammenarbeit.
Auch wir als Bundesvorstand der Deutsch-Polnischen Gesellschaften waren bei der Gedenkveranstaltung vertreten. Mit der Niederlegung eines Gebindes haben wir der Opfer gedacht und zugleich ein Zeichen für die besondere Verantwortung gesetzt, die aus unserer gemeinsamen Geschichte für die deutsch-polnischen Beziehungen erwächst.
Erinnerung an die Massaker von Piaśnica
Ein besonderer Schwerpunkt des diesjährigen Gedenkens lag auf den Massakern von Piaśnica (Piasnitz) in der Nähe von Wejherowo westlich von Danzig.
Bereits wenige Wochen nach dem deutschen Überfall begann dort die systematische Ermordung Tausender Menschen durch die deutschen Besatzer. Unter den Opfern befanden sich zahlreiche Angehörige der polnischen Intelligenz und gesellschaftlichen Eliten – darunter Lehrer, Geistliche, Ärzte, Juristen, Beamte und weitere Persönlichkeiten des öffentlichen und kulturellen Lebens.
Piaśnica steht damit beispielhaft für den Terror, der die deutsche Besatzung Polens von Anfang an kennzeichnete. Es ging nicht allein um militärische Eroberung. Gezielt sollten gesellschaftliche Strukturen zerstört und Menschen ermordet werden, die für die polnische Kultur, Bildung und Identität standen.
Junge Menschen geben der Erinnerung eine Stimme
Besonders eindrücklich war bei der Gedenkveranstaltung die Beteiligung junger Menschen. Schülerinnen und Schüler trugen Texte und Zeitzeugenberichte vor.
Dadurch wurde Geschichte nicht nur als eine Abfolge von Daten und Ereignissen erfahrbar. Hinter den historischen Zahlen wurden einzelne Menschen, ihre Erfahrungen, ihre Ängste und ihre Schicksale sichtbar.
Gerade 87 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs kommt der Weitergabe dieser persönlichen Erinnerungen eine immer größere Bedeutung zu. Die Generation der unmittelbaren Zeitzeuginnen und Zeitzeugen wird kleiner. Umso wichtiger ist es, dass junge Menschen ihre Geschichten kennenlernen, weitertragen und damit dazu beitragen, die Erinnerung lebendig zu halten.
Ein Gedenkort für die polnischen Opfer
Der Gedenkort für Polen 1939–1945 in Berlin ist gegenwärtig ein temporärer Erinnerungsort. Er befindet sich am historischen Ort der ehemaligen Krolloper in unmittelbarer Nähe des Deutschen Bundestages.
Dass es im Zentrum der deutschen Hauptstadt einen sichtbaren Ort der Erinnerung an den deutschen Überfall, die Besatzung Polens und die polnischen Opfer gibt, besitzt eine besondere Bedeutung.
Das Gedenken an Polen gehört in das historische Gedächtnis Deutschlands. Die Erinnerung an die deutschen Verbrechen darf dabei nicht abstrakt bleiben. Sie muss die Perspektive der Opfer einbeziehen und auch kommenden Generationen vermitteln, welche Folgen Nationalismus, Menschenverachtung, Diktatur und Krieg haben können.
Aus Erinnerung erwächst Verantwortung
Für uns als Deutsch-Polnische Gesellschaften ist der 1. September deshalb nicht nur ein Tag des Rückblicks.
Aus der Erinnerung erwächst Verantwortung für Gegenwart und Zukunft.
Deutschland und Polen verbindet heute eine enge Partnerschaft in einem gemeinsamen Europa. Die deutsch-polnische Verständigung und Versöhnung nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs ist eine große historische Errungenschaft. Sie ist jedoch keine Selbstverständlichkeit. Sie muss von jeder Generation neu mit Leben gefüllt werden – durch Begegnungen, Dialog, gegenseitiges Verständnis und die Bereitschaft, auch schwierige Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte nicht auszublenden.
Die Teilnahme an der Gedenkveranstaltung und unsere Niederlegung eines Gebindes waren deshalb für uns zugleich Erinnerung und Verpflichtung: für ein friedliches Europa, für eine starke deutsch-polnische Nachbarschaft und dafür, dass sich die Schrecken von Krieg und Gewaltherrschaft niemals wiederholen.
Nie wieder Krieg. Nigdy więcej wojny.